Die Geschichte des Stadtweihers

Das Freibad am Stadtweiher feiert Jubiläum: Seit genau 50 Jahren gibt es das Naturbad auf der Südseite des Weihers in seiner heutigen Form. Seit 2003 können Schwimmer, die sich vor Fischen, Bibern oder vor gar zu kühlem Wasser fürchten, auch in einem beheizten Becken ihre Bahnen ziehen. Das Freibad am Stadtweiher gilt als eines der schönsten und beliebtesten naturnahen Freibäder in der Region.

Als fleißige Leutkircher ausgangs des 14. Jahrhunderts mit ihren Spaten am östlichen Rand der Stadt den Weiher aushoben, dachten sie wohl nur am Rande an Badespaß und Sommerfrische. Der 18 Hektar große Weiher wurde als Brauchwasserspeicher, Fischgewässer und Löschwasser-Vorrat angelegt. 1397 wird das Gewässer erstmals in einer Urkunde erwähnt. Das Schriftstück wird heute im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart verwahrt.

Es dauerte noch einige Jahrhunderte, ehe die erste Badeanstalt aktenkundig wurde. 1843 wird erstmals von einer „Badehütte für Frauen“ am Stadtweiher berichtet, das erste offizielle Freibad entstand dann 1871 am Nordufer des Weihers – und fortan entwickelte sich der Stadtweiher zu dem, was er bis heute ist: Freibad, Naherholungsgebiet, ein Lieblingsort der Leutkircher. Der „Allgäuer Volksfreund“ berichtete ausführlich über die neue Badeanstalt: „Seit etwa 8 Tagen besitzen wir am hiesigen Stadtweiher eine neue öffentliche Badeanstalt, welche in geschmackvoller, praktischer und solider Weise ausgeübt wurde. Acht Kabinen geben jedem Badenden Raum seine Effekten gut unterzubringen, sich vor neugierigen Blicken zu schützen und bequem sich aus- und ankleiden zu können; selbst ein Springbrett ist für den jugendlichen Mut angebracht.“ (Allgäuer Volksfreund vom 20. Juni 1871).

Deutlich aufgewertet wurde das Leutkircher Freibad 1933. Der Reichsarbeitsdienst gestaltete das Bad um und hübschte es auf. „Die Hauptarbeit an der Badeanlage wurde durch Wohlfahrtserwerbslose ausgeführt und stellt im Sinne der Arbeitsbeschaffung eine Notstandsarbeit dar“, schrieb –auf Partei-Linie – der „Allgäuer Volksfreund“ und vermerkte nicht ohne Stolz, dass sich „vor den Gebäulichkeiten (nun) ein freier Spiel- und Tummelplatz mit Sandspielplatz und Schaukel“ befinde. Nicht unerwähnt blieb auch das Rettungsboot in den Stadtfarben: „ Eine weitere Bereicherung bildet das blau-gelb gestrichene Rettungsboot.“

Mit den Jahren wurde der Badespaß an der Nordseite des Stadtweihers immer mehr von der unaufhaltsamen Verlandung des Weihers getrübt. Die Bäche spülten viel zu viele Nährstoffe von den intensiv bewirtschafteten Wiesen in den Weiher. Immer dicker wurde die Schlammschicht auf dem Grund des Gewässers, immer seichter die Wasserschicht. Und nun verteidigten die Leutkircher „ihren“ Stadtweiher mit einer einzigartigen Aktion gegen die Verlandung. 1961 begann die „Entschlammungsaktion“. In den folgenden vier bis fünf Jahren wurden etwa 300.000 Kubikmeter Schlamm abgetragen und weggeschafft. Und in den Jahren 1965 bis 1967 entstand dann auf der Südseite das Freibad am Stadtweiher, wie wir es heute kennen. Der Weiher war wieder größer geworden, ein Parkplatz wurde gebaut, die Liegewiese neu gestaltet, Schatten spendende Bäume wurden gepflanzt. Und nun gab es auch gepflegte Toiletten und einen Kiosk.

Die Leutkircher waren stolz auf ihr neues Bad. „Kein einziges Bauprojekt seit Jahrzehnten hat in gleichem Maße das Antlitz unserer Stadt geprägt und es ausschließlich nur verschönert wie die langwierige „Aktion Stadtweiher“, die heute mit der feierlichen Einweihung des Freibads ihren krönenden Abschluss findet“, hieß es am 15. Juli 1967, als das Freibad offiziell eingeweiht wurde. Bis zur Jahrtausendwende blieb das Leutkircher Freibad ein reines Naturbad mit rustikalem Charme. Bahnenschwimmer hatten ihre 50-Meter-Bahn im Weiher. Viele Jahre war sie vergessen. Vor drei Jahren hat das Freibad-Team die 50-Meter-Bahn zwischen den Stegen im Weiher wieder durch Leinen kenntlich gemacht.

Zur Jahrtausendwende beschloss der Gemeinderat eine Generalsanierung fünf Bauabschnitten. Aus dem reinen Naturfreibad sollte ein naturnahes Freizeitbad mit zeitgemäßen Einrichtungen werden. Man verständigte sich auf eine eher bescheidene, dafür aber nachhaltige Lösung. Das beheizbare Becken wurde mit lediglich vier 25-Meter-Bahnen so konzipiert, dass die Folgekosten für die Wassererwärmung beherrschbar blieben. Für Kinder und Jugendliche wurden eine Breitrutsche und ein Nichtschwimmerbecken gebaut, für die ganz Kleinen entstand ein Planschbecken. Die Umkleide- und Sanitärräume wurden komplett erneuert, ebenso die Stege auf dem See, der Kiosk und die Freiterrasse. Insgesamt 3,8 Millionen Euro kostete die Generalsanierung des Freibades.

Und die Wettergötter belohnten die Stadt im Eröffnungsjahr des „neuen“ Stadtweihers mit einer Jahrhundertsaison. Ein Azorenhoch brachte 2003 einen mediterranen Sommer ins Allgäu und bescherte dem Leutkircher Freibad eine nie wieder auch nur annäherungsweise erreichte Besucherzahl. 167.203 Badegäste passierten damals in einem langen Sommer die Kasse des Leutkircher Freibades. Seither wurde die 100.000er Marke nicht mehr erreicht. Eine Badesaison mit mehr als 80.000 Besuchern – wie etwa 2015 – wird heute von den Verantwortlichen als Spitzenergebnis gesehen. Im eher unsteten Sommer 2016 zählte man im Freibad am Stadtweiher knapp 65.400 Besucher.

50 Jahre Freibad Stadtweiher