Die Entwicklung einer einheitlichen Kleidung über zwei Jahrhunderte
1869
Zum Besuch eines Allgäuer Musikfestes in Wangen am 11. Juli 1869 trug die Leutkircher Kapelle einheitlich dunkelgrüne Mützen. Dirigent war Lehrer Johann Baptist Quenzer. Dies war wohl der erste Versuch, sich einheitlich zu kleiden. Leider gibt es davon noch kein Bild.
1925
In Leutkirch wird aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Stadtkapelle das 6. Oberschwäbische Verbandsmusikfest am 18. und 19. Juli 1925 ausgerichtet. Dazu ist auf Rechnung der Stadt Leutkirch eine einheitliche Kleidung, bestehend aus einem zweireihigen marineblauen Rock und einer marineblauen Mütze mit Lyra und Stadtwappen, beschafft worden. Von der Stadtverwaltung wurde angeregt, die Röcke von den Leutkircher Schneidermeistern Peter Utschik und Josef Kirchmann anfertigen zu lassen.
Die Stadtkapelle im 2-reihigen Rock mit Mütze.
1934
Die Stadtkapelle blieb der Stadt Leutkirch gegenüber bestehen, doch die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) bemächtigte sich der damals im Oberland schon mit gutem Ruf ausgezeichneten Stadtkapelle Leutkirch für ihre Zwecke.
So erhielten der Dirigent und 26 Musiker die braune Uniform der SA (Sturmabteilung). Die Uniformen wurden jedoch nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern Dirigent und Musiker hatten die Uniform selbst zu bezahlen. Das waren pro Mann 99.– Reichsmark. Die Stadt Leutkirch und die Ortsgruppe der NSDAP gewährten zur Überbrückung Darlehen von 500 RM bzw. 700 RM. Die Rückzahlung der Darlehen und die Begleichung der restlichen Uniformschulden wurde aus Einnahmen von Veranstaltungen bewerkstelligt. Deswegen ging es mit der Schuldentilgung recht langsam her, wahrscheinlich in voller Absicht. Das Ganze dauerte von 1934 bis September 1936. Die zum Musikfest 1925 angeschaffte Einheitskleidung mit Mütze hatte bei öffentlichen Anlässen bald ausgedient.
1945 bis 1957
Nach dem 2. Weltkrieg war das Tragen von Uniformen nicht nur von den Besatzungsmächten verboten, sondern auch gar nicht „in”. Als dann aber die ersten Musikfeste veranstaltet und das Leutkircher Kinderfest wieder gefeiert wurde, wurde bald der Wunsch nach einer einheitlichen Kleidung für die Stadtkapelle diskutiert. Bei den Mitgliedern stand das Anliegen obenan, sich nicht wieder „uniformieren” zu lassen. Letztendlich einigte man sich, ähnlich wie 1869, auf eine einheitliche Kopfbedeckung. Es wurde ein schwarzer Hut mit breitem grünem Band nach „Salzburger Art” angeschafft.
Die Stadtkapelle mit dem einheitlichen Hut in den 50er Jahren
1958
In diesem Jahr ging die Stadtverwaltung im Einvernehmen mit MD Gottfried Zeh und Vorstand Wagner daran, für die Stadtkapelle eine erste Einheitskleidung zu entwerfen. Daraus resultierte der taubenblaue (blaugraue) Anzug mit einreihiger Jacke, am linken Ärmel ein gesticktes Leutkircher Stadtwappen. Dazu wurde eine lange Hose und ein Hut mit grauem Band getragen, die jeweils die gleiche Farbe wie die Jacke hatten. Dazu gehörte ein weißes Hemd mit silbergrauem Binder. Der neue Anzug wurde wahrscheinlich zum ersten Mal beim 5. Bezirksmusikfest in Tettnang im Juni 1959 getragen.
1962
Die Stadtkapelle beschafft zur 1. Fasnet 1962 erstmals ein einheitliches Fasnetshäs. Im Winter 1961/62 wurde im Einvernehmen mit der Narrenzunft Nibelgau (gegründet 1956) für die Musik ein „Häs” kreiert. Die Idee stammte von Willy Wagner, der als Vorstand nach dem Tod von MD Gottfried Zeh die Stadtkapelle übergangsweise bis Ende August 1962 dirigierte.
Das Häs bestand aus einer Narrenmütze und einem Wams. Die Mützen, von unserem Schneider Alfons Kirchmann gefertigt, bestanden aus rot-weiß gestreiftem Stoff und einem blauen Samtband. Das Wams, in der Leutkircher St. Vincenz-Nähschule zugeschnitten und genäht, wurde aus blauem Samt gefertigt. Auf der Vorderseite war auf gelbem Grund eine schwarze Katze aufgenäht. Die Ärmel waren wie die Mütze aus rot-weißem Stoff. Zum „Häs” wurde eine lange Hose getragen, dazu möglichst dunkle Schuhe.
Die Stadtkapelle Leutkirch im neuen Fasnetshäs beim Fasnachtsdienstags-Umzug in Isny 1962
Erstmals wurde das „Häs” beim Fasnetsumzug 1962 getragen. Jedes Wams wurde so groß bemessen, dass darunter ein warmer Pullover getragen werden konnte.
1970
Die Stadtkapelle mit grauem Anzug vor der Schule am oberen Graben 1970
Heuer wurde die Stadtkapelle neu eingekleidet. Der Wunsch der Musiker war, von der noch ein wenig nach Uniform aussehenden Kleidung weg und zu einem etwa in Landhausmode liegenden Anzug zu kommen. Der neue Anzug bestand aus hellgrauem Stoff. Die Jacke hatte einen dunkelgrün besetzten Kragen, die Taschen waren grün paspeliert. Dazu trug man eine dunkelgrüne Tuchweste mit Silberknöpfen, weißes Hemd und eine rosafarbene, mit goldfarbenem Muster versehene Krawatte. Eine Kopfbedeckung gab es dazu nicht. Der neue Anzug wurde öffentlich erstmals zum Bezirksmusikfest in Ravensburg am 14. Juni 1970 getragen.
1979
Im Laufe des Monats Juni 1979 lieferte die Fa. Bredl in Leutkirch die neue Tracht an die Stadtkapelle. Die Hüte wurden bei der Fa. Kolb in Lindenberg gefertigt. Die Mehrheit der Mitglieder hatte sich nach langem Für und Wider auf eine Tracht geeinigt, wie diese vom Leutkircher Verein zur Pflege Allgäu-Schwäbischen Volkstums e.V. getragen wird.
Die Tracht besteht aus einem dunkelbraunen Filzhut in alemannischer Form mit goldfarbener Kordel und Quasten. Die Jacke ist aus mittelbraunem Stoff gefertigt und ist zweireihig angelegt. Die Knöpfe sind aus bronzefarbigem Metall. Die Weste besteht aus olivgrünem Stoff und ist rot gemustert. Dazu trägt man eine dunkelbraune Stoffbundhose sowie weiße Trachtenstrümpfe und schwarze Trachtenschuhe mit Silberschnalle. Die damals bei der Stadtkapelle mitspielenden drei Frauen einigten sich darauf, vorerst die Männertracht zu tragen.
Die Stadtkapelle in der neuen Tracht beim Herbstkonzert am 1. Dezember 1979
1991
Nachdem die Anzahl der Musikantinnen seit 1979 stetig zugenommen und dabei die Lust, Männertrachten zu tragen, stetig abgenommen hatte, entschloss man sich in der Vorstandschaft, eine Frauentracht anzuschaffen. Die Stadt gab dazu grünes Licht. Nun ging es daran, Angebote einzuholen und das Angebot in Augenschein zu nehmen. Der Entschluss fiel auch hier nicht leicht.
Die Firma Schaber in Immenstadt bekam letztendlich den Zuschlag. Zum Herbstkonzert 1991 konnten unsere Musikantinnen ihre Frauentracht vorführen. Diese besteht aus einem olivgrünen kurzen Jäckchen, weißer Bluse, geschnürtem schwarzem Mieder, einem langen bordeauxroten Tuchrock und dazu passender, rot-grün gemusterter Brokat-Schürze. Dazu werden weiße Trachtenstrümpfe und schwarze Schuhe mit seitlicher Silberschnalle getragen. Eine Kopfbedeckung wurde einheitlich abgelehnt.