Die Blasmusik in Leutkirch
1808 – 1825 Erste Erwähnungen
1820 – 1822
Die ersten Erwähnungen einer Blasmusik in Leutkirch finden sich 1808 in den Aufzeichnungen über ein öffentliches Schulkinderfest:
„Nach dem Gottesdienst zogen die Kinder mit ihren Lehrern auf die Schule, von da mit Musik voran, in der Stadt herum, dann vors Rathaus, wo sie Lieder absangen.”
Im Jahre 1820 schreibt der Chronist über einen musikalischen Geist, der sich unter der heranwachsenden Jugend verbreitet, nicht zuletzt deswegen, weil ein gewisser Musiklehrer Andreas Munding aus Engerazhofen sich in Leutkirch um die Musik bemüht. Dies wird vor allem am Fortschritt der Janitscharenmusik sichtbar. Diese Freude ist aber nur von kurzer Dauer, da sich der Leutkircher Gemeinderat bereits im Oktober 1820 mit der Bitte des jungen Musiklernenden Johannes Vogler auseinandersetzen muss, sich nach einem andern tüchtigen Musiklehrer umsehen zu dürfen, da Munding bezüglich seines Verhaltens nicht mehr tragbar sei. Dem Stadtrat ist das unsolide Verhalten Mundings bekannt, und da er dem Wunsch der Musiklernenden entsprechen will, verfügt er gleichzeitig, dass sich Munding noch in diesem Jahr von hier entfernen müsse. Sein Weg führte ihn bekanntlich nach Gebrazhofen, wo man sich noch heute über seine etwas andere Art von Humor erzählt.
1821
Im Jahre 1821 waren in Leutkirch die Feierlichkeiten zum Geburtstag Seiner Majestät König Wilhelm I. von besonders großem Ausmaß, da der König einen Teil der städtischen Schulden in Höhe von 150.000 Gulden auf die Staatskasse übernahm. Zum Dank gab die Stadt im „Neuen Bau“ Theater mit transparenter Illumination, türkische Musik und Böllerschüsse. Den 24 Musikern, die bei Tagesanbruch und beim Zug in die beiden Pfarrkirchen Musik machten, wurde ein Honorar von 13 Gulden und 42 Kreuzern gezahlt. Hier begegnen wir nun einem Kapellmeister Vogler und einem Musiklehrer Höflinger aus Engerazhofen, dem Nachfolger Mundings.
1822
Die Freude der Musiklernenden war jedoch wieder nur kurz, da Höflinger bereits im Jahre 1822 wegen seiner hohen Schulden nach Engerazhofen heimgewiesen wurde. Über die Einstellung eines neuen Musiklehrers ist in den Ratsprotokollen nichts vermerkt. 1825 befand der Rat über die Bitte des Musikanten Friedrich Thomann, der um eine Belohnung für das Musikmachen am Geburtstag des Königs bittet. Angesichts der mit dem Musikmachen verbundenen Zeitversäumnis wird angeordnet, den Musikern ein Honorar von 5 Gulden und 24 Kreuzern auszubezahlen.
1826 – Die Musik wird organisiert
Das Jahr 1826 gilt als Gründungsjahr der Leutkircher Stadtkapelle. Wir lesen hierzu in der Leutkircher Kirchen- und Schulchronik des evangelischen Stadtpfarrers Georg Daniel Beisel, Band IV, Seiten 158/159, folgendes:
„Professor Engelhardt, der an Jacobi (25. Juli) 1826 hier sein Amt antrat, ist nicht nur bestrebt, sich zu einem tauglichen Schulmann zu bilden, sondern ist zugleich ein Freund und Kenner der Musik. Er hat sich bald mit dem katholischen Schullehrer und Chorregenten (Leiter des kath. Kirchenchores) M. Lipp in Verbindung gesetzt und sich geeinigt, mit Zuziehung der hiesigen Musikfreunde einen Musikverein zu stiften, wozu bei allen der Wunsch schon lange vorhanden war. Dem zufolge versammeln sie sich seit 30. November 1826 alle Donnerstag abends regelmäßig im Gasthaus zum „Goldenen Hirsch” (heute Marktstraße 18, bis vor kurzem „Deutsche Bank”) zu musikalischen Übungen, zunächst in Bezug auf die Kirche, dann aber auch zu öffentlichen Angelegenheiten. Die blasenden Instrumente nehmen sich in Ermangelung der Orgel in der Hospitalkirche sehr gut aus, und die Herren Musici geben sich gern dazu her, wenn es verlangt wird. An den Feiertagen der Apostel haben sie sich auf mein Ersuchen gefälligst eingefunden und mit ihren Instrumenten den Gesang begleitet, was zu nicht geringer Erbauung der Gemeinde geschehen ist. Zu den ersten Mitgliedern des neuen Musikvereins gehörten „die schon seit mehreren Jahren als geübte und erfahrene Kenner der Musik bekannte Friedrich Thomann (Weber), Johann Melchior Seiler, Joh. Melchior Hütt, sämtliche Weber, auch Caspar Aberell, Schneider (Oberamtsdiener), und andere.”
Ob über die Gründung dieses ersten Musikvereins ein Schriftstück angefertigt wurde, ist nicht bekannt. So kann auch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, welcher der beiden Gründer die Leitung der Kapelle übernommen hat. Weitere Hinweise bei Beisel lassen jedoch vermuten, dass Chorregent Lipp eher für die Blasmusikliteratur zuständig und daher Engelhardt der musikalische Leiter war.
Auszug aus der Kirchen- und Schulchronik des Georg Daniel Beisel, evangelischer Stadtpfarrer in Leutkirch über die Gründung eines Musikvereins in Leutkirch im Jahre 1826. Die Chronik umfasst in 6 handgeschriebenen Bänden die Jahre 1800 bis 1837.
1827 – 1841
Die Aktivitäten des neu gegründeten Musikvereins verstärkten sich in den Jahren nach der Gründung. So wirkte dieser wie bisher alljährlich am 27. September bei den Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstags Seiner Majestät König Wilhelm I. von Württemberg mit.
1834
Das erste Konzert gab die Kapelle wahrscheinlich am 14. März 1834 unter Leitung von G. M. Friedrich Engelhardt im Gasthaus zum Goldenen Hirsch, wo auch die Proben stattfanden. Den letzten Auftritt unter Engelhardts Stabführung absolvierte die Kapelle am Maien-Kinderfest 1834, denn kurz darauf verabschiedete er sich nach St. Gallen, wo er Präzeptor in der Realschule wurde.
Für die Zeit nach dem Wegzug Engelhardts sind Namen von Dirigenten des Musikvereins nicht bekannt, es finden jedoch bis zur Einstellung des Musiklehrers Eisenmann durch den Stiftungsrat im April 1842 weiterhin musikalische Produktionen statt.
1837
Im Jahre 1837 verstarb am 14. Juli Lehrer Engelhardt in St. Gallen. In dieser Zeit spielte die neugegründete Musikkapelle auch mehrere Wohltätigkeitsveranstaltungen, so z. B. eine Tanzveranstaltung zum Wohle des Ochsenwirts, da sich in dessen Gasthaus das Probelokal befand. Des Weiteren wurde ein Benefizkonzert zu Gunsten der niedergebrannten Stadt Leonberg gespielt.
1841
Neben Kinder- und Geburtstagsfesten des Königs wurde am 31. Oktober 1841 der 25. Jahrestag der Thronbesteigung durch König Wilhelm I. von Württemberg gefeiert. Bei diesem Jubiläum wirkte nicht der städtische Musikverein Leutkirchs mit, sondern ein Musikcorps aus Memmingen.