Stadtpfarrkirche Sankt Martin

Stadtpfarrkirche Sankt Martin
Marienplatz
Leutkirch im Allgäu
07561 72280
07561 72285
Ihr verdankt Leutkirch Ursprung, Namen und Wappen. Die "Leutekirche" wird schon 848 genannt. Zu Füßen dieser Keimzelle wuchs die Siedlung als Marktflecken heran. Und schließlich wurde daraus im 13. Jahrhundert eine veritable Stadt mit Mauern und Stadtrecht (1293).

Die heutige Gestalt erhielt Sankt Martin anno 1519. Das äußert sich in Details, etwa den Spitzbogenfenstern und Rippengewölben, ebenso wie in der Konzeption: Sankt Martin ist eine der für diese Zeit typischen Hallenkirchen. Kennzeichen dafür ist die gleiche Höhe der Schiffe, was sie weiträumig wirken lässt. Von der gotischen Ausstattung verblieben nur Reste; bemerkenswert eine Anna Selbdritt und eine Muttergottes (linkes Seitenschiff, hinten). Gleichwohl: Die im 20. Jahrhundert eingefügten neuen Kunstwerke passen sich gut in den Raum ein. Das gilt für die leuchtend-farbigen Chorfenster ebenso wie für die erdfarben-fahlen Freskobilder von Albert Burkart (1935/36) in den Seitenschiffen. Sie schildern die Vitae der heiligen Elisabeth von Thüringen und des heiligen Martinus.

Auch als sich in Leutkirch die Reformation durchsetzte (1546), verblieb Sankt Martin den Katholiken, obwohl fortan nur 25 katholische Bürger in der Stadt leben durften. Der Pfarrer von Sankt Martin stand jedoch nie vor einer leeren Kirche, da zur Pfarrei viele Bewohner des vorderösterreichisch-katholischen Umlandes gehörten. Die Stadt selbst bildete darin eine protestantische Insel - Anlass zu mancherlei Auseinandersetzung. Aber gewöhnlich arrangierte man sich. Immerhin war der Rat im 17. Jahrhundert am Neujahrstag regelmäßig zu einem opulenten Gastmahl im katholischen Pfarrhaus eingeladen und revanchierte sich mit einem anschließenden Umtrunk im "evangelischen" Rathaus.

Das stattliche Pfarrhaus spricht für die guten Einkünfte der Pfarrei. Stolz ist man darauf, dass aus ihr die Bischöfe Leiprecht und Moser hervorgingen; Bronzetafeln in der Kirche erinnern an sie.