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Allgäu
Bienenkästen

Ausstellung Stubenflieger

„Stubenflieger“

In den Räumen des Gotischen Haus sind unter dem Titel „Stubenflieger“ Installationen von Nina Joanna Bergold mit Claudia Strohm aufgebaut.

Nina Joanna Bergold

Bergolds Folienwesen leben von der Wechselwirkung mit dem Ausstellungsraum. Sie hängen an Haken oder sind festgeknotet an Balken, die Figuren spielen, ruhen, zerren, zerfließen mit dem Raum, der sie umgibt. Sie nehmen den Raum in Besitz und verlangen von den Betrachtern/innen, sich ihren eigenen Weg durch sie hindurch zu suchen. Bergolds Arbeiten greifen grafisch zurück auf den althergebrachten Scherenschnitt bzw. den Hochdruck, wie den Linolschnitt. Während bei dieser Technik die Druckplatte das Motiv festhält, entstehen bei der Folienschneidetechnik Leerräume, das heißt: Jede Linie braucht zum Halt Anbindung. Hier kann man die technische Brillanz der Arbeiten erfassen, handelt es sich doch um hochkomplexe Szenarien – detailliert gesehene Einzelfiguren und Menschengruppen (Günter Baumann, Hoch Seil Akt). Einzelne menschliche Leiber und Organe konkretisieren sich erst in der allmählichen Anschauung aus den fein verästelten Liniengeflechten und schweren Schwarzmassen heraus, es werden Arme und Beine, Rümpfe und Körper sichtbar. Stets vorausschauend das Ganze im Blick, ohne nach einem Schnitt Korrekturen vornehmen zu können, das Verhältnis von Positiv- und Negativformen sorgsam abwägend, bearbeitet Nina Joanna Bergold so Teichfolien im großen Format, die zu einem für die Künstlerin charakteristischen Ausdrucksmedium geworden sind.

Claudia Strohm

Claudia Strohm arbeitet vorwiegend mit Schrift. Aus teils historischen, teils aktuellen Texten strickt sie durch Veränderungen ihre eigenen, kurzen Aussagen und Behauptungen, die belustigen, verstören oder aufrütteln. Aus den Ursprungstexten werden überflüssige Sätze herauspräpariert und entfernt, bis nur noch lapidare Statements voll wahrem Unsinn zurückbleiben. So stellt sie allgemeine Wahrheiten bloß, die keiner aussprechen mag. Was auf den ersten Blick dann oft kindlich naiv klingt, ein Eindruck, der von Claudia Strohm durch absichtlich grob gesetzte Buchstaben, gelegentliche Rechtschreibfehler und einer sehr eigenwilligen Groß- und Kleinschreibung unterstrichen wird, kann zu neuen Aussagen und zu einer Art Poesie führen. Die ursprüngliche Aus sage wird zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verdreht oder so weit reduziert, dass der Sinn ein anderer oder auch neuer wird. Claudia Strohms Papierobjekte zeigen mit ihrem Umraum zu einem zusammenhängenden Konglomerat gegossene Bücher und Regale. Ein Buch aus grauer Papp-Pulpe besteht aus unzähligen Zeitungsseiten. Die Zeit und die Künstlerin haben den Inhalt verändert, ihn unlesbar gemacht. Während das Wissen heutzutage nach kurzer Zeit schon wieder überholt ist, bleibt die mit dem Umraum verschmolzene Masse, Inhalt, der nicht mehr verfügbar ist, bestehen.

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